Wohnungslosigkeit

Laut BAG Wohnungshilfe gibt es schätzungsweise 335 000 Wohnungslose in Deutschland, davon leben ca. 40 000 auf der Straße. In Berlin waren es im Jahre 2015 ca. 17 000 Wohnungslose.
71 Prozent der Wohnungslosen sind alleinstehend, 28 Prozent sind Frauen und 31 Prozent haben einen Migrationshintergrund. 2014 gab es ca. 33 000 Zwangsräumungen und ca. 53 000 sogenannte „kalte Wohnungsverluste“, d.h. die Menschen „verlassen“ die Wohnung ohne Räumungsverfahren oder vor dem Zwangsräumungstermin.
Ca. 13 Prozent wurden wegen Mietschulden geräumt. In den meisten Fällen führt eine Gemengelage aus finanzieller Not und/oder Konflikten in Familie, Ehe, Partnerschaft letztlich zum Wohnungsverlust. Als wichtigste Auslöser des Wohnungsverlustes werden genannt: Miet- bzw. Energieschulden (19%), Trennung/ Scheidung (ca.17%), Auszug der elterlichen Wohnung (11 %), Konflikte im Wohnumfeld (13%). Bei knapp zehn Prozent bei Frauen ist Gewalt durch den Partner und durch Dritte Auslöser des Wohnungsverlustes.
Wohnungslose Menschen haben ein Recht darauf, von der Kommune, in der sie sich aktuell und tatsächlich aufhalten, mit einer Notunterkunft nach Ordnungsrecht versorgt zu werden. Dieser Anspruch auf ordnungsrechtliche Unterbringung besteht unabhängig von der Nationalität und dem Aufenthaltsstatus der Betroffenen.
Allerdings sind die Bedingungen in den Obdachlosenunterkünften häufig sehr schlecht. Der Verwaltungsgerichtshof Kassel hat ein „zivilisatorisches Minimum“ so umschrieben: „ein hinreichend großer Raum, der genügend Schutz vor Witterungsverhältnissen bietet, wozu im Winter die ausreichende Beheizbarkeit gehört, hygienische Grundanforderungen wie genügende sanitäre Anlagen, also eine Waschmöglichkeit und ein WC, eine einfache Kochstelle und eine notdürftige Möblierung mit mindestens einem Bett und einem Schrank bzw. Kommode sowie elektrische Beleuchtung.“ Außerdem gehört „zumindestens während der warmen Jahreszeit auch ein Kühlschrank bzw. die Mitbenutzung zur Mindestausstattung dazu.“
Die Auslegung dieses „zivilisatorischen Minimums“ ist sehr verschieden. Es fehlen also verbindliche Standards für die Ausstattung der Unterkünfte. Normalität läßt sich in diesen Unterkünften nicht finden. Oftmals verfestigt sich die Wohnungslosigkeit. Viele leiden unter psychischen und Suchterkrankungen sowie entsprechenden Folgeerkrankungen.

(aus dem Bericht „Zeit zu handeln. Bericht zur Armutsentwicklung in Deutschland 2016“ des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbande Gesamtverband Berlin 2016)

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