Deutsche Eliten

Interessant sind Michael Hartmanns Bücher zu Eliten. Hier ein Ausschnitt:

Das Sozialprofil

„Die Eliten sind überdurchschnittlich alt, ganz überwiegend männlich und in der alten Bundesrepublik geboren. Jüngere Jahrgänge im berufsfähigen Alter, Frauen und Ausländer sind gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil stark unterrepräsentiert. Dasselbe gilt, sogar in noch höherem Maße, für die in der ehemaligen DDR aufgewachsenen Bundesbürger.“

„Mit Ausnahme der Politik stellen ehemalige DDR- Bürger in den jeweiligen Sektoren nur Einzelfälle wie etwa der Vorstandsvorsitzende der Carl Zeiss AG, Michael Kaschke, in der Wirtschaft.“
In den öffentlich- rechtlichen Fernsehanstalten sind beim MDR die Intendantin und der Programmdirektor Ostdeutsche.
„Nennenswert sind ehemalige DDR- Bürger einzig in der politischen Elite repräsentiert.(…) Alles in allem kommt jeder siebte Angehörige der politischen Elite aus der DDR.“
Da jeder 5. Bundesbürger aus der DDR stammt, sind Ostdeutsche auch hier unterrepräsentiert.
„Je exklusiver die Positionen, umso seltener sind dort frühere DDR- Bürger zu finden.“
Das zeigt auch die Justiz, wo kein einziger hoher Bundesrichter aus der DDR stammt.

Karrierewege

Wechsel zwischen Finanzministerium und Wirtschaft werden üblich

Wiesen von den 20 beamteten Staatssekretären zwischen 1949 und 1999 erst fünf Verbindungen zur Wirtschaft auf…, wurde eine solche Verbindung seither fast zum Normalfall.
Z.B. Heribert Zitzelsberger ging vom Finanzministerium zum Bayer- Konzern und kehrte als Staatsekretär wieder zurück.

Immer häufiger wechseln Politiker in die Wirtschaft

Das prominenteste Beispiel ist Roland Koch. Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder wechselte zu einem Joint Venture (51% Gazprom). Der thüringische Ministerpräsident Althaus wechselte zu einem Automobilzulieferer. Die Bundesverfassungsrichterin Christine Hohlmann- Dennhardt in den Vorstand von Daimler. Hartmanns Liste ist lang und „die ließe sich beliebig verlängern“.

Die Wirtschaftselite

„Während Großbürgerkinder ihren Aufstieg entweder, oft als Erben, innerhalb eines Unternehmens oder aber gleich über die Branchen- und vergleichsweise häufig auch über die Sektorengrenzen hinweg vollziehen, bleiben Arbeiterkinder dem Unternehmen oder aber der Branche treu. Sie müssen durch ihre Leistungen überzeugen. Das aber gelingt in der Regel nur innerhalb eines Unternehmens oder einer Branche. Großbürgerkinder können sich dagegen auf ihren Habitus verlassen. Der wirkt überall, wegen der sozialen Ähnlichkeit aber besonders stark bei Familienunternehmen…“

Demokratie ist, was die Eliten darunter verstehen

Crouch: Wahlen würden zum „reinen Spektakel“. Die Mehrheit der Bürger sei passiv, schweigend oder gar apathisch. Reale Politik wird hinter verschlossenen Türen von den Regierungen und Eliten gemacht, die vor allem die Interessen der Wirtschaft vertreten. (Postdemokratie)
Die politische Elite hat viele Entscheidungen getroffen, die für große Teile der Bevölkerung Verschlechterungen bedeuten.
Hartmann: „Es geht um die unbewusst ablaufenden und deshalb umso mehr von der sozialen Herkunft und den damit verknüpften klassenspezifischen Einstellungen und Interessen geprägten Prozesse der Entscheidungsfindung.“

Unbewusst?

Zum Beispiel Tony Blair: Sohn eines wohlhabenden Anwalts, Ausbildung an sehr teuren Eliteschule und Eliteuniversität (Oxford), nach seiner Amtszeit geschätztes Jahreeinkommen ca. 25 Millionen Euro, aufgrund diverser Beraterverträge (allein bei J-P. Morgan jährlich drei Millionen Euro)

aus: Michael Hartmann, Soziale Ungleichheit, Kein Thema für die Eliten?, Frankfurt am Main 2013

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