Sozialismus für Reiche: TEIL2

Aus: Jens Berger. Wem gehört Deutschland? Die wahren Machthaber und das Märchen vom Volksvermögen. Frankfurt/Main 2014

Geldvermögen:
„Ein durchschnittlicher Haushalt verfügt inklusive der Ansprüche aus Lebensversicherungen und privater Altersvorsorge über ein Nettogeldvermögen von weniger als 8000 Euro.
Ein Haushalt aus dem obersten 0,1 Prozent der Vermögensskala verfügt im Schnitt über ein Nettogeldvermögen von mehr als 19 Millionen Euro.
Würde man mit dem Vermögenszuwachs der deutschen Millionäre die Staatsschulden zurückzahlen, wäre der Bund nach sechs Jahren und zweieinhalb Monaten schuldenfrei- und die Millionäre wären immer noch Millionäre.“

Altersvorsorge:
Das Konzept der kapitalmarktbasierten Altersvorsorge ist aus Sicht der Finanzmärkte genial. „Die eigentlichen Profiteure der privaten Altersvorsorgemodelle sind Versicherungs- und Finanzkonzerne und deren Aktionäre.(…) Die private Altersvorsorge der arbeitenden Bevölkerung ist das Motoröl des Finanzsystems (…).“ Arbeitnehmer haben das Interesse, dass die Löhne steigen. Als Finanzkapitalisten sehen sie die Sache anders und stecken in einem Interessenkonflikt. „Indem man Millionen von braven Bürgern zu Komplizen des Renditestrebens auf den internationalen Finanzmärkten gemacht hat, konnte man den Interessen einiger weniger Spekulanten eine demokratische Legitimation geben.“

Immobilien:
Der Großteil der Immobilien gehört einer sehr kleinen Gruppe von Vermögenden. Die Privatisierung von öffentlichem und genossenschaftlichem Wohneigentum hat die Situation noch verschärft. „Von den 41 Millionen Wohnungen in Deutschland gehören 33 Millionen, das sind mehr als 80 Prozent, Privatpersonen oder privaten Eigentümergemeinschaften.“ Deutschland hat die geringste Wohneigentumsquote im OECD- Vergleich. (neben der Schweiz) Nach Angaben des Bundesminsteriums für Verkehr und digitale Infrastruktur besitzen 44 Prozent aller Haushalte eine Immobilie. Dabei gibt es ein deutliches Ost- West- Gefälle und Stadt- Land- Gefälle.
„Mehr als die Hälfte aller Haushalte besitzt gar keine Immobilien.
Die unteren 70 Prozent der Haushalte haben ein Nettoimmobilienvermögen von weniger als 125 000 Euro.
Die unteren 90 Prozent der Haushalte haben ein Nettoimmobilienvermögen von weniger als 250 000 Euro.
Die Hälfte des privaten Immobilienbesitzes des Landes gehört den oberen 5 Prozent der Bevölkerung.“
„Es sieht so aus, als habe die Immobilienparty gerade eben erst begonnen.“!!!!

Betriebsvermögen und Finanzkapital:
„Jeder Deutsche verfügt durchschnittlich über ein Betriebsvermögen von mehr als 333 000 Euro. Dieses Betriebsvermögen ist jedoch sehr ungleich verteilt. Die unteren 90 Prozent der Bevölkerung besitzen zusammengenommen nur 8 Prozent des gesamten Betriebsvermögens.“
Der Mittelstand ist das Rückgrat der Wirtschaft. Kleine und mittelgroße Unternehmen stellen 99,7% der Unternehmen, beschäftigen 83,2% der Auszubildenen und 60,8% der Arbeitnehmer, aber haben nur 34% des Umsatzes und 19% Exportanteil. Die Großkonzerne beherrschen die Wirtschaft. Die 100 größten deutschen Unternehmen machten 2010 einen Gesamtumsatz von fast 2 Billionen Euro, wie alle KMU zusammen. 1300 Unternehmen regieren die Welt:
„1318 Unternehmen kontrollieren 80 Prozent der weltweiten Großkonzerne.
147 Unternehmen kontrollieren 40 Prozent der weltweiten Großkonzerne.
Dreiviertel dieser 147 Unternehmen sind Finanzunternehmen.
Unter den 20 mächtigsten Unternehmen der Welt befinden sich 19 Finanzunternehmen.“
Unter den Top50, den mächtigsten Unternehmen der Welt finden sich die Deutsche Bank auf Position 12 und die Allianz auf Position 28.
„Bei 15 der 20 wertvollsten Unternehmen der Welt gehört BlackRock zu den beiden größten Anteilseignern. BlackRock verwaltet 4,3 Billionen US-Dollar.
Nur jeder 10. Haushalt besitzt Aktien.
„Die unteren 80 Prozent der Haushalte haben zusammengenommen weniger als 10 Prozent des gesamten Aktienvermögens.
Die obersten 10 Prozent der Bevölkerung gehören drei Viertel des gesamten Aktienvermögens.“
„Noch nie waren Entscheidungsprozesse über wirtschaftliche Prozesse undemokratischer als heute in der BlackRock-Ära.“

Sparen und Erben:
„In diesem Jahrzehnt wird in 8500 Erbfällen ein durchschnittliches Vermögen von 68,6 Millionen Euro vererbt.
Die untere Hälfte der Bevölkerung kann im Schnitt nur 8500 Euro pro Erbfall erwarten.
Ein Haushalt in Bayern ist im Schnitt mehr als zehnmal so reich wie ein Haushalt im Osten der Republik.
Ein durchschnittlicher Haushalt spart 1300 Euro im Jahr.
Mehr als 10 Prozent aller Haushalte verzehren ihr Vermögen, anstatt Teile ihres Einkommens zu sparen.“
Die Armen können nichts sparen, die Mittelschicht trägt ihre Immobilienkredite ab. Wer bereits hohe Vermögen aus eigenem Einkommen angespart hat, profitiert auch noch von großen Erbschaften.

WER HAT, DEM WIRD GEGEBEN!

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