Eindrücke vom Kongreß Armut und Gesundheit 2016 Teil I

Am 17. und 18. März 2016 fand an der TU Berlin der Kongress Armut und Gesundheit statt, der im vergangenen Jahr sein 20-jähriges Bestehen beging.

Vorstellung des Gesundheitsberichtes: Daten für Taten, hieß es. Daten statt Taten wäre besser.

MitarbeiterInnen des Robert- Koch- Institutes referierten über den Gesundheitsbericht, der alle 8-10 Jahre herausgegeben wird. Der Bericht „Gesundheit in Deutschland“ umfaßt 500 Seiten. Man kann ihn aus dem Netz herunterladen:
http://www.gbe-bund.de
http://www.rki.de/gesundheitsbericht
Über 14,5 Prozent aller Beschäftigten sind in der Gesundheitswirtschaft beschäftigt.
Die soziale Herkunft beeinflusse die Gesundheit und das Verhalten.
Seit den 1990er Jahren gab es einen deutlichen Anstieg in der Armutsentwicklung. Jeder siebte Haushalt ist von Armut betroffen. Die regionalen Unterschiede sind sehr groß. Die höchsten Armutsquoten sind in Mecklenburg- Vorpommern und in Sachsen- Anhalt, die niedrigsten in Baden- Württemberg, Bayern und Hessen. Folgende Städte sind besonders von Armut betroffen: Duisburg 24,8%, Dortmund 23,5%, Leipzig 24,1%, Berlin 20%.
Bei folgenden Gruppen sind die Armutsquoten hoch: Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, Arbeitslose, Alleinerziehende, Menschen mit Migrationshintergrund, bei arabischer Herkunft liegt die Quote bei 40%.
Menschen mit niedrigem Einkommen haben eine geringere Lebenserwartung, bei Männern zehn Jahre weniger, bei Frauen acht. Das würde an einer geringeren Bildung, geringerer sozialer Integration und höheren Arbeitsbelastungen liegen. Doppelt so oft erleiden Menschen mit einem niedrigen Sozialstatus einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Unterschiede gebe es auch bei Diabetes. Fast 50% der Frauen aus der Unterschicht seien adipös, also fettleibig.
Ein erhöhtes Krankheitsrisiko bei niedrigem Sozialstatus gebe es bei fast allen Krankheiten. Herzinfarkt, Diabetes, Depressivität etc. Ausnahmen seien Allergien und Brustkrebs, die bei hohen Statusgruppen öfter auftreten.
Insgesamt gebe es keine Verringerung der gesundheitlichen Ungleichheit.

In der Diskussion gab es dann im Publikum u.a. folgende Äußerungen:
„Wir wissen, dass es einen Zusammenhang zwischen Armut und Krankheit gibt und es passiert nichts.“ „Wir haben die Erkenntnisse, aber es muß umgesetzt werden.“
„Die letzten 15 Jahre ist ein hartes neoliberales Programm gefahren worden.“ Akteure aus der Wirtschaft und der Arbeitsmarktpolitik seien für die soziale Ungleichheit verantwortlich.
„Wir haben alle ähnliche Wirtschaftssysteme mit gleichem Zeitgeist, wenn man etwas ändern will, muß man auf europäischer Ebene was machen.“
Anwort vom Podium:
„Wo richten wir unsere Lampe hin, die Anzahl der Publikationen, die sich mit sozialer Ungleichheit befasst, ist hoch. Wir tun viel.“
„Letzter Schritt zur Handlung zu kommen, liegt nicht bei uns, der liegt bei der Politik.“
Als es dann zum Thema Gesundheit in Europa kam, wurde es sehr technokratisch, auch die Fragen aus dem Publikum waren meistens fachspezifisch, es ging um die Forschungsmethoden…

Aus für die Unabhängige Patientenberatung

Auf dem Kongress wurde gefragt: „Was haben wir in den letzten Jahrzehnten erarbeitet? Welche Konsequenzen ziehen wir daraus?“ Die Unabhängigkeit war groß geschrieben, die zivilgesellschaftliche Verankerung der UDP. Sie war durch und durch gemeinnützig, den Patienten verpflichtet, keine Geschäfte, Abstand zum System und sachlich.

Am 28.12.2015 verkündeten die Tagesthemen den Schlußpunkt der parteilichen Patientenberatung.
Die UPD war in Trägerschaft von Sozialverband VdK, Verbraucherzentrale Bundesverband und Verbund unabhängige Patientenberatung VuP.
Der GKV-Spitzenverband und der Patientenbeauftragte der Bundesregierung haben sich in einem umstrittenen Verfahren für die Sanvartis GmbH als neuen Anbieter entschieden, was fast keine öffentliche Zustimmung fand. Ein Bericht der ARD-Tagesthemen vom 28.12.15 über den Wechsel der UPD zu Sanvartis stützt die Vermutung, dass die bisherige UPD mit ihren gemeinnützigen unabhängigen Trägern und Gesellschaftern den Krankenkassen zu kritisch geworden und die neue Sanvartis-UPD mit ihren bisherigen Kassen-Dienstleistungen eher kassenkonform sei.
Auf der Website: http://www.fuer-unabhaengige-patientenberatung.de/
sind weitere Informationen zu finden.

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