Großartig!

Angela Merkel in ihrer Neujahrsansprache am 31.12.2015: „Am 3. Oktober haben wir den 25. Jahrestag der Wiedervereinigung Deutschlands gefeiert. Ist es nicht großartig, wo wir heute, 25 Jahre später, stehen? (…) Wir haben die niedrigste Arbeitslosigkeit und die höchste Erwerbstätigkeit des geeinten Deutschlands.“

Zwar sind heute mehr Menschen erwerbstätig, aber das gesellschaftliche Arbeitsvolumen ist um rund zwei Milliarden Stunden gesunken. Die (sozialversicherte) Beschäftigung blieb weit hinter dem Zuwachs der Erwerbstätigkeit zurück. „Die Teilzeitjobs haben sich mehr als verdoppelt, während etwa drei Mio. Vollzeitjobs in diesem Zeitraum (in den letzten 20 Jahren) per Saldo verloren gingen(…) Die Beschäftigungszunahme im ersten Jahrzehnt nach der Jahrhundertwende lag weitgehend im Bereich von sozialversicherungspflichtiger Teilzeit, von Minijobs und auch Leiharbeitsverhältnissen.“
„Der Anstieg der Erwerbstätigkeit in den letzten 20 Jahren geht zu mehr als 80% auf den Anstieg atypischer Beschäftigung zurück.“ Atypisch Beschäftigte sind Leiharbeiter, geringfügig Beschäftigte, befristet Beschäftigte und Teilzeitkräfte mit bis zu 20 Wochenstunden.
Wir haben es mit einer Ausweitung des Niedriglohnsektors zu tun:
„Der Anteil der zu Niedriglöhnen Beschäftigten ist in der Unterschicht zwischen 1995 und 2013 von rund 44 auf 68% deutlich gestiegen. Auch in der unteren Mittelschicht ist das Niedriglohnrisiko von gut 35 auf knapp 46% deutlich angestiegen.“
Die Zahl der Armen und Reichen wächst- die Mitte schrumpft.
„Enorm ist vor allem der Anstieg bei Prekären und Armen, deren Anteil von 30,3% in 2000 auf 37,3% in 2011 gewachsen ist.“ Einmal arm, immer arm. Die Einkommensschichtung verfestigt sich. Es sinken die Chancen auf sozialen Aufstieg.
Auch für die untere Mitte haben sich die Aufstiegsrisiken verringert, die Abstiegsrisiken zugenommen. Der Kern der arbeitenden Mitte ist bedroht. „Diese Erosion der gesellschaftlichen Mitte ist der Hintergrund für eine wachsende Affinität zum Rechtspopulismus- nicht nur in der Berliner Republik, sondern europaweit.“ (Die Zitate sind aus Sozialismus 2/16)

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